Der Besitzer eines Waldstücks bei Altgolßen (zwischen Baruth und Luckau) wandte sich an uns mit der Bitte um Unterstützung beim Waldumbau. Ein ca. 2,5 Hektar großes Waldstück mit Kiefernmonokultur, auf einer Erhöhung und am Feldrand gelegen, soll renaturiert werden. Auch wenn der Boden für Brandenburger Verhältnisse eine recht gute Beschaffenheit hat, ist der Wind- und Trockenheitsdruck hoch, vereinzelte Windbrüche sind bereits aufgetreten. Durch eine gezielte Aufforstung mit standortgeeigneten Pflanzen soll die Stabilität des Ökosystems Wald erreicht werden, bevor dieser unter der eigenen Beschaffenheit zusammenbricht. Andere Baumarten können sich selbstständig kaum etablieren wegen Wildverbiss, Lichtmangel, Trockenheit, fehlender Bio-Diversität.
Der Waldbesitzer beschrieb uns seine Motivation folgendermaßen: „Ich bin der Auffassung, je weniger der Mensch tut, umso besser geht es der Natur. Da wir die Wälder zu dem gemacht haben, was sie sind, müssen wir ihnen wenigstens den Start in die Renaturierung vereinfachen oder überhaupt ermöglichen. Meine Ziele, die hinter den Maßnahmen stehen, sind leicht beschrieben: Einen Forst zu erschaffen, der für die Zukunft gewappnet ist, komplett unberührt bleibt und somit ein Stück wirklicher Natur zurückholt.“
Diese Botschaft ist genau das, wofür wir mit der Arbeit der NeuWald stehen!
Bevor wir mit der Arbeit begannen, stimmten wir uns mit dem zuständigen Revierförster ab, da keiner die forstwirtschaftlichen Bedingungen, aber auch die Befindlichkeiten und Gewohnheitsrechte der Waldbesitzer besser kennt als er. An vier Samstagen im November 2023 konnten wir dann einen Großteil der Arbeiten durchführen.
Auslichten
Ein wichtiger Aspekt der Renaturierung ist für uns, keinen tonnenschweren Harvester einzusetzen, der den Boden auf Jahre hinaus verdichtet, sondern alle Arbeiten so schonend wie möglich durchzuführen. Deshalb wurden etwa 250 Bäume durch professionelle Baumpfleger gefällt, um ausreichend Licht in das Waldstück zu bringen.

Rücken
Im Anschluss müssen die auf der Fläche liegenden Stämme nun herausgezogen werden, bevor der Zaun gebaut werden kann. Dieses „Rücken“ übernahm Douke Eekman, ein lokaler Kleinunternehmer, mit Nele, seinem ausgebildeten Rückepferd. Eine schwere Arbeit für den Rücker, der jeden Stamm erst einspannen muss.

Die Stute scheint eher belustigt über das geringe Gewicht der Stämme: Normalerweise muss sie komplette Bäume herauswuchten.

Wenn man Mensch und Tier bei der Arbeit beobachtet, stellt sich unwillkürlich eine Entschleunigung ein.

Zaunbau
Danach kommt die Zeit des Zaunbaus, um Wildverbiss an Jungpflanzen zu verhindern.Wir arbeiten auf dieser Fläche zum ersten Mal mit dem >link zu NeuWald-Zaun. Er besteht ausschließlich aus Holz und Naturfasern und wird sich nach 10 bis 15 Jahren durch Verrotten selbst entsorgen.
Mit dem LKW werden die Zaunelemente, jedes 4 m lang und 1,90 m hoch, angeliefert. Ungefähr 50 Elemente können so mit einer Fuhre transportiert werden, die im Ökokombinat Bad Belzig gefertigt wurden. >link zu www.ökokombinat.de/


Es sind immer 8 bis 12 Helfer*innen da, die anpacken, die Elemente abladen, an verschiedenen Stellen deponieren und dann, nach einer kurzen Einweisung, mit dem Aufbau beginnen. Akkubohrer, Holzdübel und Hammer – mehr braucht es nicht! Seitliche Stützen und diagonale Verstrebungen anbringen. Bohren, Dübeln und Hämmern. Mit der Zeit sitzt jeder Handgriff. Kleine Arbeitsteams bilden sich fast von alleine.


Der Zaun steht frei auf, aber nicht in dem Boden, nichts ist in den Boden gerammt, damit die Stützen nicht von unten her verfaulen. Je weiter der Zaun fortgeschritten ist, desto weiter muss das Material getragen werden. Man glaubt nicht, wie oft wir durch das Areal unterwegs sind und – wie groß selbst eine Fläche von „nur“ 2,5 Hektar sein kann, besonders wenn man durch Brombeeren und Sträucher gehen muss.

Zwischendurch ein Interview für die Lausitzer Rundschau. Der Artikel findet sich unter Medienecho.

Mehrere abgestorbene Birken müssen abgesägt werden, weil die Gefahr besteht, dass sie beim nächsten Sturm auf den Zaun fallen.

Am Ende des Tages sind wir selbst erstaunt, was wir alles geschafft haben. Ein Panoramabild zeigt die obere Ecke des Zauns. Dank der zahlreichen Helfer konnten wir trotz widriger Umstände (schwieriges Gelände, Wetter, Versetzen eines Zaunabschnitts) einen Großteil des Zauns in den geplanten Arbeitseinsätzen fertigstellen.



Säen und Setzen
Parallel zum Zaunbau wird bereits gesät (Stieleiche, Roteiche, Feldahorn, Buche, usw.) und am oberen Ende des Geländes werden Samen für einen Waldsaum (Hartriegel, Pfaffenhütchen, etc.) eingebracht, der ein Biotop für Insekten und Vögel werden kann.

Resultat
Nach eineinhalb Jahren können wir feststellen: es wächst und gedeiht. Der Zaun steht fest, Samen und Setzlinge entwickeln sich, wir werden die Entwicklung weiter verfolgen und ab und an die Standfestigkeit des Zauns kontrollieren.




